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Universitäts-Sternwarte München


Fakultät für Physik der Ludwig-Maximilians-Universität

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Geschichte der Sternwarte

Seeliger – Astronomie (2)

Seeligers bedeutendste Leistung stellten seine Untersuchungen zur räumlichen Verteilung der Sterne dar, ein Versuch, mit stellarstatistischen Methoden den Aufbau des Milchstraßensystems zu erforschen. Vor ihm waren nur unvollkommene, tastende Versuche in dieser Richtung unternommen worden und Seeliger gebührt der Ruhm, als erster eine wohlbegründete, auf empirischen Daten beruhende Vorstellung des galaktischen Gebäudes abgeleitet, d. h. aus der Projektion der Sterne an die Sphäre ihre dritte Dimension erschlossen zu haben. Die erforderlichen Daten beschaffte er sich in mühevoller Vorarbeit aus den beiden Bonner Durchmusterungen, die Informationen für ca. 460 000 Sterne enthalten. Da deren Helligkeitsschätzungen vor allem für die helleren Sterne nicht einheitlich waren, musste Seeliger mühsam auch noch Korrekturfaktoren aus der neueren Literatur ermitteln. Auf der Grundlage dieser Sternzählungen entwickelte er dann mit Hilfe des reichem mathematischen Rüstzeugs, über das er verfügte, seine berühmten Integralgleichungen, die die räumliche Dichteverteilung mit der Verteilungsfunktion der Leuchtkräfte verknüpften und auch unter Berücksichtigung einer möglichen interstellaren Absorption die wahre Verteilung der Sterne zu bestimmen erlaubten.

[Seliger in seinem Studierzimmer][Modell der räumlichen Verteilung der Sterne der Milchstraße]

Seeliger in seinem Studierzimmer und sein Universum: Die Sterne der Milchstraße sind danach ellipsoidal um die Sonne als Zentrum verteilt, wobei die Ausdehnung in der Ebene etwa 10 000 pc und in Richtung der galaktischen Pole etwa 1800 pc beträgt (1 pc = 3.26 Lichtjahre). Die geraden Linien A, B, C, D und E beziehen sich auf die galaktischen Breiten 80, 60, 40, 20 und 5 Grad. Die mit Zahlen indizierten Linien repräsentieren Oberflächen gleicher Dichte. Die Grenze des Sternsystems bildet die mit Milchstraße bezeichnete Linie, jenseits derer theoretisch keine Sterne mehr vorhanden sind.

Veranlasst durch die Novaerscheinungen der Jahre 1885, 1891 und 1901 beschäftigte sich Seeliger auch mit dem Problem dieser neuen Sterne, die unvermittelt sichtbar werden und deren Helligkeit in Wochen bis Jahrzehnten wieder stetig abnimmt. Seine grundlegende Idee dabei war, dass eine Novaerscheinung durch das Eindringen eines Weltkörpers in eine dunkle, kosmische Staubwolke hervorgerufen wird, ähnlich einer durch einen Meteoriten in der Erdatmosphäre verursachten Meteorerscheinung. Durch Transformation der für das Novaphänomen erforderlichen zeitlichen Größenverhältnisse auf die nur Sekunden andauernden Vorgänge in der Erdatmosphäre erschienen ihm die beiden Prozesse vergleichbar.

Bildquellen:

Nr. 1: USM
Nr. 2: E. R. Paul

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