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Universitäts-Sternwarte München


Fakultät für Physik der Ludwig-Maximilians-Universität

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Geschichte der Sternwarte

Lamont – Erdmagnetismus – Expeditionen

Der magnetische Reisetheodolit, von dem Lamont in seiner Werkstätte etwa 45 Exemplare herstellte, war sein bekanntestes und begehrtestes Instrument. Es wurde von zahlreichen Observatorien erworben und gelangte auf Expeditionen in alle Welt. Mit den Verkaufserlösen dieser und anderer Geräte konnte sich die Werkstätte bald selbst tragen. Assistent Feldkirchner hat für jedes Etatjahr penibel die Verkäufe dokumentiert und die Einnahmen verzeichnet. Wir wissen daher, dass Lamont für seinen Reisetheodoliten etwa 400 Gulden verlangte und u. a. an die Münchener Gebrüder Schlagintweit, den Pfälzer Georg v. Neumayer und den Norddeutschen Albrecht Roscher für deren Expeditionen geliefert hat. Diese jungen, abenteuerlustigen Forscher machten sich auf den Weg, um die noch zahlreichen weißen Flecken auf der Landkarte wissenschaftlich zu explorieren. Das Zeitalter der Entdeckungen war in der Mitte des 19. Jahrhunderts noch nicht vorüber.

[Zusammenstellung der Einnahmen der mechanischen Werkstätte][Zusammenstellung der Einnahmen der mechanischen Werkstätte][Zusammenstellung der Einnahmen der mechanischen Werkstätte]

Zusammenstellung der Einnahmen der mechanischen Werkstätte der Sternwarte für die Etatjahre 1855/56, 1858/59 und 1856/57. Es sind dort u. a. die erdmagnetischen Instrumente für die Expeditionen der Gebrüder Schlagintweit (Indien und Hochasien), von Georg v. Neumayer (Südost-Australien) und von Albrecht Roscher (Ostafrika) gelistet. Im Etatjahr 1856/57 werden solche Geräte für das Observatorium des Radschas von Travancore in Südindien aufgeführt, deren Kauf von John Alan Broun abgewickelt wurde. Außerdem sind Reparaturkosten für einen magnetischen Theodoliten angegeben, die von der k. k. Akademie der Wissenschaften in Wien gezahlt wurden. Es handelt sich dabei um ein Instrument aus dem Privatbesitz des Geologen und Physikers Ferdinand v. Hochstetter, das bei der Weltumsegelung der österreichischen Fregatte Novara mitgeführt wurde.

Die Gebrüder Schlagintweit

Die Brüder Hermann (1826–1882), Adolph (1829–1857) und Robert (1833–1885) Schlagintweit, drei von fünf Kindern eines Münchener Augenarztes, teilten die Leidenschaft für die alpine Forschung. Auf Vorschlag Humboldts, der von der akribischen Art ihrer Untersuchungen begeistert war, betraute die britische East India Company die Brüder mit dem Auftrag, die Höhenverhältnisse der Gebirgsmassive im Norden Indiens zu klären, Flora und Fauna zu untersuchen, die Kultur der Bergvölker zu erforschen und erdmagnetische Messungen vorzunehmen. Hierfür kamen allerdings im Wesentlichen englische Instrumente zum Einsatz, denn die beiden offenbar zu spät bei Lamont bestellten Theodoliten erreichten Hermann Schlagintweit erst kurz vor seiner Rückreise in Calcutta. Sie konnten jedoch noch am 13. April 1857 vor Ort für eine Serie von Vergleichs- und Eichmessungen genutzt werden.

[Die Gebrüder Schlagintweit]

Die Münchener Brüder Robert, Hermann und Adolph Schlagintweit stellten von 1854 bis 1856 im Auftrage der britischen East India Company auf dem indischen Subkontinent und in der Hochgebirgswelt Zentralasiens neben geologischen, geographischen und ethnologischen Studien vor allem auch Untersuchungen des Erdmagnetismus an.

[Karte der Expeditionsrouten]

Die Landkarte zeigt die Strecken, die die Brüder teils zusammen, teils getrennt in Hochasien zurücklegten.

[Landschaft im Karakorum]

Landschaft am Fuß eines Gletschers im Muztagh, einem Gebirgszug im Karakorum-Gebiet. Solche Bilder sind von den Brüdern, die in ihrer Jugend auch Unterricht bei einem Maler erhalten hatten, vor Ort angefertigt worden.

[Ansicht von Leh]

Leh, die Hauptstadt des Ladakh, gehört zu den höchstgelegenen Siedlungen der Welt. Das an der Seidenstraße gelegene buddhistische Königreich war seinerzeit ein Teil der Kronkolonie Britisch-Indien.

Die mit hohen Erwartungen begleitete Expedition der Schlagintweits war auf drei Jahre geplant und führte die Brüder nach der Einschiffung in Southampton am 20. September 1854 teils zusammen, teils getrennt reisend in den Nordosten (Sikkim, Assam, Bhutan) und Nordwesten (Kaschmir, Ladakh, Baltistan) des indischen Subkontinents. Hermann und Robert überwanden die Gebirgsketten des Karakorum und des Kwenlun und drangen bis in das chinesischen Turkestan vor. Auf der Suche nach Asiens großer Nord-Süd-Wasserscheide sollte Adolph zum bedeutendsten der Brüder werden: Er stieg als erster Europäer über tückisches Eis den westlichen der beiden Muztagh-Pässe hoch und identifizierte als Wasserscheide das Karakorum-Gebirge. Die nüchternen Aufzeichnungen der Brüder lassen nur ahnen, was es bedeutete, die wissenschaftlichen Instrumente über halsbrecherische Pfade zu schleppen, sie täglich auf- und abzubauen, Messungen durchzuführen und dabei noch Pflanzen und Steine zu sammeln. Im November 1856 trafen sich die Schlagintweits letztmals in Srinagar/Kaschmir um anschließend von Rawalpindi aus auf getrennten Wegen noch Europa zurückzukehren. Robert zog mit dem größten Teil der Sammlung und den Aufzeichnungen in einer großen Karawane aus Pferden und Kamelen über Karatschi nach Bombay, um von dort nach Alexandria zu segeln. Hermann brach nochmals nach Tibet auf, das bei einem ersten Versuch im Sommer 1855 nicht erreichbar war, und reitete durch Bengalen nach Calcutta. Nach einer langen Schiffsreise trafen die Brüder wieder in Alexandria aufeinander und erreichten gemeinsam am 17. Juni 1857 Berlin. Für den 28-jährigen Adolph, der den Ehrgeiz hatte, auf dem Landwege zurückzukehren, nahm die Rückreise ein fatales Ende. Er wollte sich, als Einheimischer verkleidet, nach Turkestan durchschlagen, um von dort über Taschkent und Russland, ganz wie sein Vorbild Humboldt, die Heimat zu erreichen. Nach der Überquerung der über 7000 Meter hohen Kunlun-Gebirgskette wurde er jedoch von Reitern aufgegriffen und nach Kaschgar, dem Zentrum der Region, gebracht. Der dort residierende Stammesführer, der gerade eine Rebellion gegen China initiiert hatte, hielt den europäischen Eindringling für einen chinesischen Spion und ließ ihn am 26. August 1857 kurzerhand köpfen.

Die überlebenden Brüder ließen sich in Berlin nieder und machten sich sofort an die Sichtung der wissenschaftlichen Ausbeute der Expedition, die aus 46 Bänden Beobachtungsmanuskripten, 38 Bänden erdmagnetischer und meteorologischer Daten, ca. 750 Zeichnungen und Aquarellen und mehr als 14 000 Sammlungsstücken (z. B. geologische und ethnographische Objekte, getrocknete Pflanzen, geologische Präparate, Menschenskelette, tibetische und indische Handschriften) bestand. Seit Humboldt hatte es keinen derartigen Reichtum an Forschungsmaterial gegeben. Es konnte zu Lebenszeiten der Brüder auch bei weitem nicht vollständig ausgewertet werden. Die Sammlung wurde in den folgenden Jahrzehnten über Großbritannien und Deutschland verstreut. In München profitierten davon das Museum für Völkerkunde, die Bayerische Staatsbibliothek und die Staatliche Graphische Sammlung. König Max II. erhob 1859 Hermann und Robert Schlagintweit in den bayerischen erblichen Adelsstand.

Georg v. Neumeyer

Der aus der bayerischen Pfalz stammende Georg Balthasar v. Neumayer (1826–1909) hatte sich nach seinem Studium der Geophysik und Hydrographie in München (1845–1849) als Assistent an der Sternwarte in Bogenhausen auch gründliche Kenntnisse in Astronomie, Meteorologie und Erdmagnetismus angeeignet.

Seinem Drang nach fernen Ländern folgend suchte er zunächst sein Glück auf See, schlug sich aber nach einigen Handelsfahrten entlang der australischen Ostküste ein Jahr lang als Lehrer deutscher Auswanderer auf Goldfeldern durch. Da seine wissenschaftlichen Interessen während dieser turbulenten Zeit jedoch nie nachgelassen hatten, kehrte er 1851 nach Europa zurück, um erdmagnetische Messungen in Bayern, Schleswig-Holstein und im Raum Hamburg durchzuführen. Dem Einfluss u. a. von Lamont und Humboldt war es dann zu verdanken, dass Neumayer von Max II. finanzielle Unterstützung für seine in Australien gereiften Pläne zum Bau eines Observatoriums für Geophysik, Magnetismus und Nautik im 1835 gegründeten Melbourne und den Kauf diesbezüglicher Instrumente erhielt.

Im Januar 1857 kam er mit seiner Ausrüstung, darunter magnetische und meteorologische Instrumente von Lamont, wohlbehalten in Melbourne an und kümmerte sich sofort erfolgreich um die Realisierung seiner Pläne. Betreits im Mai 1857 konnte dann mit den Messungen begonnen werden. Offenbar wollte Neumayer dabei mit der Intensität seiner Arbeit Lamont noch übertreffen, denn er oder seine Assistenten nahmen die Messwerte der magnetischen Instrumente Tag und Nacht stündlich auf – ein mühsames Geschäft im Dienste der Wissenschaft. Schon drei Jahre später wurden aber die magnetischen Beobachtungen jedoch vor allem durch den Betrieb eines Sägewerkes in der unmittelbaren Nachbarschft kontaminiert. Neumayer konnte daraufhin nach zähen Verhandlungen erreichen, dass ein neues Observatorium an einer günstigeren Stelle errichtet wurde, das seinen Dienst im September 1862 unter dem Namen Melbourne Observatory aufnahm und zusätzlich auch astronomische Forschung betrieb.

Als Ende 1858 der in Bogenhausen bestellte Lamontsche Reisetheodolit angekommen war, hatte Neumayer dann sofort auch mit der erdmagnetischen Vermessung der britischen Kolonie Victoria begonnen. Neben dem laufenden Observatoriumsbetrieb in Melbourne unternahm er bis Anfang 1864 fünfzehn Expeditionen in einem größtenteils unerschlossenen Land und ermittelte dabei an über 230 Stationen die geomagnetischen Kenngrößen. Daneben machte er astronomische Ortsbestimmungen, maß den Luftdruck und untersuchte die lokalen geologischen und topographischen Verhältnisse. In diesem Zusammenhang wurden auch Berge bestiegen und Neumayer benannte dabei einen bisher namenlosen nach seinem Mentor Mount Lamont, eine Namensgebung, die allerdings nie offiziell anerkannt wurde.

[Georg v. Neumayer]

Georg v. Neumayer in späteren Jahren. Nach seinem Australienabenteuer kehrte er 1865 nach Deutschland zurück und leitete ab 1876 die von ihm mitbegründete Seewarte in Hamburg.

[Karte der Expeditionsrouten]

Dies Karte zeigt die Route der beiden Messreisen, die er von September bis Dezember 1860 (rot) und von September 1861 bis Januar 1862 (blau) in der australischen Kolonie Victoria zur Ermittlung der erdmagnetischen Kenngrößen zurücklegte.

[Zeichnung][Zeichnung]

Der österreichische Maler und Zeichner Eugene v. Guerard (1811–1901) begleitete Neumayer bei einem Teil seiner Expeditionen und hielt 1862 einige typische Szenen in seinem Notizbuch fest: Etwa Neumayers Zweimannzelt und Erkundungen in den Klippen über Glory Hole oder die Expeditionspferde und Neumayers American Wagon in der Nähe von Mount Disappointment.

Neumayer kehrte 1865 nach Deutschland zurück, rekalibrierte zunächst seine magnetischen Instrumente in Bogenhausen und machte sich an die Reduktion seines umfangreichen Datenmaterials. Zuerst publizierte er die Messergebnisse, die er in seinem Observatorium in Melbourne erhalten hatte, um dann 1868 mit der Veröffentlichung des auf seiner erdmagnetischen Aufnahme Victorias basierenden Kartenwerks sein australisches Abenteuer erfolgreich abzuschließen. Ab 1872 arbeitete er dann als Hydrograph bei der Kaiserlichen Admiralität in Berlin, um dann im Jahre 1876 die Leitung der von ihm mitbegründeten Seewarte in Hamburg zu übernehmen. In der Folge entwickelte sich Neumayer zum Promotor der deutschen Antarktisforschung, übernahm 1879 den Vorsitz der internationalen Polarkommission und zeichnete sich als hervorragender Wissenschaftsorganisator aus. In Anerkennung seiner Verdienste tragen heute mehrere deutsche Antarktisstationen seinen Namen.

Albrecht Roscher

Der Hanseat Albrecht Roscher (1836–1860) hatte 1857 sein Studium der Naturwissenschaften, orientalischen Sprachen, Geographie und Medizin an der Universität Leipzig mit einer Dissertation abgeschlossen, in der er auf der Grundlage der Weltkarte des Ptolemäus die Geographie Innerafrikas rekonstruierte. Ziel der Untersuchung war auch, die geheimnisvollen Nilquellen zu lokalisieren, die Roscher auf der Grundlage der antiken Angaben bei einer Expedition zu finden hoffte. Die Arbeit erweckte das Interesse bedeutender Zeitgenossen, z. B. von Humboldt und August Petermann (1822–1878), dem Spiritus Rector der damaligen Afrikaforschung. Deren Empfehlungen verhalfen Roscher zu einer finanziellen Unterstützung, an der sich auch Max II. in Höhe von 1500 Gulden beteiligte. Die Sternwarte Hamburg kümmerte sich um den Erwerb astronomischer Instrumente, während die erdmagnetische Ausrüstung (ein Reisetheodolit und drei Variationsinstrumente) zum Preis von 650 Gulden von Lamont geliefert wurden. Es ist sehr wahrscheinlich, dass Roscher vor seiner Abreise Bogenhausen besucht hat, um dort im Gebrauch dieser Geräte unterwiesen zu werden.

Nach dreimonatiger Seereise erreichte er dann am 13. September 1858 Sansibar, die Hauptstadt des gleichnamigen Sultanats auf einer kleinen Insel vor der Küste des heutigen Tanzania, die er als Ausgangspunkt seiner Expedition gewählt hatte. In den folgenden Monaten konnte Roscher neben der Aneignung der Bantusprache Swahili auch botanische Erkenntnisse gewinnen. Dabei entdeckte er die nach ihm benannte Orchideenart Vanilla roscheri sowie einige Algen, die Algae roscherianae. Bereits am 6. Februar 1859 fühlte er sich in der Lage, sein afrikanisches Abenteuer mit einer ersten Erkundung der Küste zwischen Sansibar und der etwa 350 Kilometer südlich liegenden kleinen Hafenstadt Kilwa zu starten. Mit einem Boot fuhr er zum Festland und marschierte mit sechs Begleitern los, die seine Ausrüstung trugen. Roscher erforschte auf seinem Weg die Bucht von Daressalam und die Mangrovenwälder im Mündungsgebiet des Rufiji-Stroms, machte astronomische Ortsbestimmungen und erdmagnetische Messungen und zog Erkundigungen über Handelswege und das Hinterland ein. Von einem deutschen Missionar erfuhr er, dass man von Kilwa aus auf einer alten Karawanenstraße zu geheimnisvollen großen Seen im Inneren des Landes gelangen könne. Arabische Sklavenjäger hätten diesen Weg schon seit Jahrhunderten begangen. Einige Zeit später trat Roscher von Fieberattacken geschwächt die Rückreise nach Sansibar an, wo er dann nach zweimonatiger Abwesenheit wieder eintraf.

Schon am 23. Juni 1858 brach er, obwohl immer noch von Fieber gezeichnet, wieder nach Kilwa auf, um von dort aus erstmals ins Innere Afrikas vorzudringen. Aber erst am 27. August, seinem 23. Geburtstag, konnte er sich nach längerem Aufenthalt in dem Fieberloch Kilwa als Araber verkleidet einer Sklavenhändlerkarawane anschließen. Er war vom Fieber so sehr geschwächt, dass er immer wieder in einer Hängematte durchs Land geschleppt werden musste. Fiebernd und den Körper voller Beulen kam er dann endlich am ersehnten Ziel an, dem Nyassasee. Sofort ging es ihm etwas besser und am 20. Oktober 1859 konnte er Petermann berichten: Da morgen eine andere Karawane nach Kilwa abgeht, so teile ich Ihnen in aller Eile mit, dass ich wohlbehalten am Nyassasee eingetroffen bin und mindestens sechs Monate bleiben will, um die jetzt beginnende Regenzeit abzuwarten . . . Der Nyandscha mkuba ist ein unübersehbares Meer. Zum gegenüberliegenden Ort Malimba paddelt man in anderthalb Tagen in großen Kanus . . . Viele Dörfer sind durch die Tätigkeit der arabischen Sklavenjäger verwüstet. Eine Kuh kostet zur Zeit fünf Dollar, ein Sklave um 50 Cent oder maximal einen Dollar. Roscher wurde in einem Dorf am östlichen Ufer des Sees mit Namen Usewa vom dortigen Sultan freundlich aufgenommen und konnte seiner Mutter berichten: Ich bin hier so sicher wie in Sansibar. Ich verfüge über ein großes Haus mit geräumigen Höfen, beschattet durch einen mächtigen Baum. Ich habe eine eigene Milchkuh und Geflügel zur Hand. Was will der Mensch sonst noch?

[Albrecht Roscher]

Das einzige erhalten gebliebene Photo des jungen Afrikaforschers Albrecht Roscher. Seine Expedition wurde auch durch den bayerischen König Max II. finanziell unterstützt.

[Karte der Expeditionsrouten][Karte der Expeditionsrouten]

Links: Roschers Weg bei der Erkundung der Küste zwischen Sansibar und Kilwa, einer arabischen Stadt mit einem Sklaven- und Elfenbeinmarkt. Rechts: Sein Weg von Kilwa zum Nyassasee, den er als Araber verkleidet mit einer Sklavenhändlerkarawane zurücklegte.

[Einheimische Träger]

Einheimische Träger beim Marsch in das Landesinnere.

[Einbaum auf dem Nyassasee]

Einbaum auf dem Nyassasee, heute Malawisee. Dieser See war das erste Ziel Roschers bei seiner Suche nach den Quellen des Nils. Mit einer Länge von 560 Kilometern und einer Breite von bis zu 80 Kilometern ist er einer der größten Seen Ostafrikas. Der Schotte David Livingstone (1813–1873) erreichte ihn als erster Europäer am 16. September 1859. Zwei Monate später kam auch Roscher dort an.

Da es Roscher gesundheitlich immer besser ging, erwog er sogar, den ganzen Kontinent von Ost nach West zu durchqueren: Das ganze Innere Afrikas steht mir offen. Bevor er jedoch seine weiteren Ziele verfolgen konnte, wurde er am 19. März 1860 drei Tagesreisen nordöstlich des Sees im Alter von 23 Jahren im Dorf Hisonguny von Eingeborenen mit Pfeilschüssen ermordet. Der für das Gebiet zuständige Sultan ließ daraufhin vier Personen, die von den Dorfbewohnern als die Mörder bezeichnet wurden, verhaften und nach Sansibar überstellen, wo sie im August 1860 gegen den Widerstand der Sklavenhändler hingerichtet wurden. Roschers Leiche und die seines Dieners Omar, der bei der Attacke ebenfalls ums Leben kam, wurden nie gefunden. Seine Aufzeichnungen der vergangenen Monate und seine Ausrüstungsgegenstände, darunter die Lamontschen Instrumente, sind verschollen. Damit waren die Hauptziele Roschers, darunter auch ein ganzes System magnetischer Kurven . . . auf der südlichen Erdhälfte zu bestimmen, Utopie geblieben.

Nach Recherchen von Livingstone und dem deutschen Afrikaforscher Carl Claus v. d. Decken (1833–1865), die kurz nach Roschers Tod angestellt wurden, deutet alles darauf hin, dass er nicht das Opfer von Raubmördern wurde, sondern einem politischen Mord zum Opfer fiel, da die Mafia der Sklavenhändler ihre Routen den neugierigen Europäern nicht offenbaren wollte. Im Petermanns Nachruf heißt es: Er erweckte die freudigste Hoffnung auf eine ruhmwürdige, großartige Exploration eines ausgedehnten Gebietes von Innerafrika. Aber seine Talente . . . seine Energie, sein Mut, seine Jugend . . . wurden mit einem Schlage vernichtet.

Novara-Expedition

Die Weltumsegelung der Fregatte Novara in den Jahren 1857 bis 1859 war ein Prestigeprojekt der österreichischen Monarchie und sollte primär der Grundlagenforschung und Datengewinnung auf den verschiedensten naturwissenschaftlichen Gebieten dienen. Das Unternehmen, das in der Tradition eines James Cook mit seiner Endeavour oder eines Robert FitzRoy (1805–1865) mit Charles Darwin (1809–1882) an Bord der Beagle durchgeführt werden sollte, traf bei den europäischen Wissenschaftlern auf euphorische Zustimmung. Man sah in einer solchen Expedition die Möglichkeit for expanding the realms of scientific knowledge.

Als Expeditionsschiff wählte man die im Jahre 1850 vom Stapel gelaufene schwere Fregatte Novara, die für die vorgesehene Weltreise allerdings noch umgebaut werden musste, denn für die große Anzahl der vorgesehenen Expeditionsteilnehmer und den Transport der zu erwartenden Sammlungsstücke wurde zusätzlicher Raum benötigt. Am 30. April 1857 war es soweit und die Novara konnte unter dem Kommando von Kommodore Bernhard Frh. v. Wüllerstorf-Urbair und begleitet von Fanfarenstößen und Kanonendonner den Hafen von Triest verlassen. Der Kommodore war prädestiniert für die Leitung der Expedition, denn er hatte neben seiner militärischen Karriere eine astronomische Ausbildung an der Sternwarte Wien erhalten und die Marinesternwarte in Venedig geleitet. Daher war er durchaus in der Lage, die meisten naturwissenschaftlichen Messungen auch selbst vorzunehmen oder deren Qualität zu beurteilen. Das Schiff mit einer Länge von 50 und einer Breite von 14 Metern hatte eine stattliche Besatzung von 352 Mann, darunter sieben Wissenschaftler. Diese standen auf Vorschlag der Akademie in Wien unter der Leitung des deutsch-österreichischen Geologen und Physikers Ferdinand v. Hochstetter (1829–1884) und des Zoologen Georg v. Frauenfeld (1807–1873).

[Die Fregatte »Novara«]

Zur ersten und einzigen Weltumsegelung der österreichischen Kriegsmarine wurde die schwere Fregatte Novara 1856 zu einem Forschungsschiff umgebaut. Das Bild zeigt das Schiff, das 1851 in Dienst gestellt worden war, noch vor seinem Umbau im Hafen von Venedig, das damals zu Österreich gehörte.

[Bernhard Frh. v. Wüllerstorf-Urbair]

Der Kapitän des Schiffes, Kommodore Bernhard Frh. v. Wüllerstorf-Urbair, war bestens für diese Aufgabe geeignet, denn er hatte neben seiner militärischen auch eine naturwissenschaftliche Ausbildung erhalten.

Die Reiseroute führte zunächst über Gibraltar, die Azoren und Rio de Janeiro zum Kap der Guten Hoffnung. Anschließend wurden die unbewohnten Vulkaninseln St. Paul und Amsterdam im südlichen Indischen Ozean besucht, bevor man sich einige Zeit bei der Inselgruppe der Nikobaren im Golf von Bengalen aufhielt. Österreich besaß alte Interessen in diesem Gebiet, denn einige der Inseln waren 1778 von Kaiserin Maria Theresia (1717–1780) zur österreichischen Kronkolonie erklärt worden, mussten dann aber 1784 an die Dänen abgetreten werden, die dort schon seit 1754 koloniale Ansprüche gestellt hatten. Nächste Stationen der Reise waren dann Singapur, Java, die Philippinen, Hongkong, Shanghai und auf dem Weg nach Australien die südlich von Neuguinea liegenden Salomon-Inseln. Nach der Abfahrt von Shanghai geriet die Novara in einen Taifun und wurde so stark beschädigt, dass ein Reparaturaufenthalt in einem Trockendock in Sydney erforderlich wurde. Über Neuseeland und Tahiti führte die Heimreise nach Valparaiso und um Kap Hoorn wieder nach Triest, das am 26. April 1869 nach 849 Tagen Abwesenheit und 51 886 zurückgelegten Seemeilen erreicht wurde. Die erfolgreiche Expedition hätte kurz vor ihrem Ende auch noch scheitern können: Es war Krieg ausgebrochen zwischen Frankreich und Sardinien-Piemont auf der einen und Österreich-Ungarn auf der anderen Seite. Über diplomatische Kanäle konnte jedoch erreicht werden, dass die Novara wegen ihrer wertvollen Ladung unter Schutz gestellt und auf ihrem Heimweg durch Atlantik und Mittelmeer nicht angegriffen wurde. Denn lange vor Völkerbund und ähnlichen Organisationen war der französische Kaiser Napoleon III. (1808–1873) der Meinung, dass die Wissenschaft Gemeingut aller Völker ist.

[Ferdinand v. Hochstetter auf der »Novara«]

Der deutsch-österreichische Geologe und Physiker Ferdinand v. Hochstetter in seinem Arbeitsraum auf der Novara. Er verließ das Schiff Anfang Januar 1859 in Auckland, um Neuseeland erstmals geologisch zu kartieren und Lagerstättenuntersuchungen durchzuführen, und kehrte dann nach der Erkundung australischer Goldfelder 1860 alleine nach Europa zurück.

[Die »Novara« auf hoher See]

Die Novara auf hoher See. Neben Grundlagenforschung auf vielen naturwissenschaftlichen Feldern war auch das Anknüpfen von Handelskontakten ein Ziel der Expedition.

Für die magnetischen Messungen während der langen Seereise war zunächst der Geologe Hochstetter verantwortlich. Er besaß privat einen Lamontschen Reisetheodoliten, der kurz vor der Abreise noch von Lamont auf Kosten der Akademie in Wien überholt worden war. Daneben stand ihm auch ein Inklinatorium englischen Ursprungs zur Verfügung. Es stellte sich jedoch schon bald heraus, dass Hochstetter wegen seiner anderen Arbeiten die Messungen an Land nicht selbst durchführen konnte. Sie wurden daher einem Schiffsfähnrich zugewiesen, der mit dem Gebrauche des magnetischen Theodoliten und des Inclinatoriums vertraut war und wo nur immer thunlich, Beobachtungen mit den genannten beiden Instrumenten auszuführen hatte. Nachdem Hofstetter Anfang 1859 die Novara in Auckland verlassen hatte, lastete die Verantwortung für die Magnetfeldmessungen ganz auf den Schultern des Fähnrich, dem von Wüllerstorf-Urbair großes Lob gezollt wurde: Die Gewissenhaftigkeit und die ganz besonderen Fähigkeiten und Talente, welchen diesen Offizier auszeichneten, seine vorzügliche Geschicklichkeit in der Handhabung und im Gebrauche der Instrumente, gewähren die Befriedigung, dass die von ihm gemachten Beobachtungen und erzielten Resultate an Genauigkeit und Verlässlichkeit keinen anderen ähnlichen Arbeiten nachstehen werden.

Zur Ermittlung der erdmagnetischen Kenngrößen zu Lande wurden meist Stationen errichtet, bei denen der feste Untergrund durch mitgebrachte Backsteine gebildet wurde. Die sich oft über Stunden hinziehenden Messreihen mussten dabei immer auch mit astronomischen Ortsbestimmungen einhergehen. Auf diese Weise gelang es, an insgesamt 17 Orten rund um den Globus das Erdmagnetfeld zu bestimmen (Triest, Gibraltar, Funchal, Rio de Janeiro, Kapstadt, Insel St. Paul, vier Nikobaren-Inseln, Batavia (Jakarta), Hongkong, Shanghai, Sydney, Auckland, Papeete (Tahiti), Valparaiso). Die besonderen Bedingungen eines schwankenden Schiffes auf hoher See brachten es jedoch mit sich, dass dort zwar an insgesamt 328 Tagen mit dem Lamontschen Theodoliten gearbeitet, aber nur jeweils die Deklination des Magnetfeldes gemessen werden konnte. Die so während der Novara-Expedition gewonnenen Daten vermehrten nach ihrer Reduktion und globalen Interpretation im einhelligen Urteil der Fachwissenschaftler die Kenntnisse auf dem Gebiet des Erdmagnetismus beträchtlich.

Die gesamte wissenschaftliche Ausbeute der Forschungsreise wurde in den Jahren 1861 bis 1876 von der Akademie in Wien in einem 21-bändigen Werk mit dem Titel Reise der österreichischen Fregatte Novara um die Erde publiziert. Eine dreibändige populäre Ausgabe geriet rasch zum Bestseller und zum meistgekauften derartigen Werk im deutschen Sprachraum nach Humboldts Kosmos. Neben den erdmagnetischen Resultaten fanden vor allem die umfangreichen geologischen und kartographischen Untersuchungen auf St. Paul, den Nikobaren und in Neuseeland internationales Interesse. Die mit Hilfe eines von einem schottischen Ichtyologen entwickelten Schleppnetzes vor allem im Südpazifik durchgeführten meereskundlichen Forschungen etablierten die Ozeanaographie als eine eigene Wissenschaft. Daneben wurden mehr als 200 neue Tier- und Pflanzenarten entdeckt und eine Sammlung von über 27 000 botanischen, zoologischen und ethnographischen Präparaten, darunter alleine 13 000 Insekten und 6500 Konchylien, mitgebracht.

Wöllerstorf-Urbair wurde wegen seiner Verdienste 1863 als Ehrenmitglied in die Bayerische Akademie der Wissenschaften aufgenommen. Hochstetter erhielt 1860 eine Professur für Geologie und Mineralogie an der Technischen Hochschule Wien und war einer der Ersten, die sich schon früh für Darwins revolutionäre Evolutionstheorie einsetzten.

Das Trevandrum-Observatorium

Es wurden aber nicht nur Expeditionen mit Lamontschen Geräten ausgestattet, sondern die erdmagnetischen Instrumente waren auch bei stationären Observatorien sehr beliebt. Das wohl exotischste darunter war das, welches 1837 von Swathi Thirunal Rama Varma (1813–1846), dem Radscha von Travancore in Südindien, gegründet worden war. Er stand allen westlichen Einflüssen aufgeschlossen gegenüber und interessierte sich vor allem auch für europäische Medizin und Astronomie. Im Jahre 1836 beauftragte er den englischen Geschäftsmann und Amateurastronomen John Caldecott (1801–1849) mit dem Bau eines Observatoriums in seiner Residenzstadt Trevandrum. (Sie ist heute als Hauptstadt des indischen Bundesstaates Kerala unter dem Namen Thiruvananthapuram bekannt.) Man wählte hierzu einen kleinen, ca. 60 Meter hohen Hügel in Sichtweite der Küste aus. Im Dezember 1838 reiste Caldecott nach England, um diverse astronomische Geräte zu erwerben. Als er in London von den Plänen zur Einrichtung eines weltweiten Netzwerkes erdmagnetischer Observatorien erfuhr, konnte er den Radscha überzeugen, sich an diesem Unternehemen zu beteiligen und Gelder für den Kauf magnetischer Instrumente zur Verfügung zu stellen. Im April 1841 kam Caldecott wieder in Trevandrum an und ließ noch im gleichen Jahre in unmittelbarer Nachbarschaft zur Sternwarte ein magnetisches und meteorologisches Observatorium errichten. In den folgenden Jahren sammelte er eine große Menge an Beobachtungsdaten, die aber weder von der Royal Society in London noch von der East India Company zur Publikation angenommen wurden.

Nach dem Tode Caldecotts berief der zwischenzeitlich herrschende Radscha Uthram Thirunal Marthanda Varma (1814–1860), ein jüngerer Bruder des 1846 verstorbenen Observatorium-Gründers, den schottischen Erdmagnetiker und Meteorologen John Allan Broun (1817–1879) zum neuen Direktor. Broun hatte vorher sieben Jahre das magnetische Observatorium in Makerstoun/Schottland geleitet. Als er sein Amt am 11. Januar 1852 antrat, fand er seine neue Arbeitsstätte in einem desolaten Zustand vor: Praktisch keines der Instrumente war noch komplett, einige der wertvollsten Bücher der Bibliothek waren von Ameisen zerfressen, die Mitarbeiter erwiesen sich als inkompetent und die Gebäude waren teilweise schon in einem ruinösen Stadium.

[Das Trevandrum-Observatorium]

Das von Caldecott 1836/37 auf Veranlassung von Swathi Thirunal Rama Varma, dem Radscha von Travancore in Südindien, auf einem kleinen Hügel unweit der Küste errichtete Trevandrum-Observatorium. Links vom Haupttrakt mit den beiden Beobachtungstürmen sind die kreuzförmig angeordneten, mit Palmwedel gedeckten Gebäude für die magnetischen und meteorologischen Messungen zu erkennen. Das Observatorium ist heute Teil der Universität von Kerala.

[Uthram Thirunal Marthanda Varma][John Allan Broun]

Nach dem Tode des Radschas folgte ihm 1846 sein jüngerer Bruder Uthram Thirunal Marthanda Varma (links) auf den Thron. Auch er war ein fortschrittlicher Herrscher und förderte die Wissenschaften. Er bestellte 1852 den schottische Erdmagnetiker und Meteorologen John Allan Broun (rechts), der vorher lange Jahre dem magnetische Observatorium in Makerstoun/Schottland vorgestanden hatte, zum Direktor des Trevandrum-Observatoriums.

Es sollte sich bis Ende 1855 hinziehen, die baulichen Reparaturen durchzuführen, die Assistenten intensiv auszubilden und das Observatorium wieder in Gang zu bringen. Im Verlauf der Renovierung ließ Broun auch zwei zusätzliche Räume für die Aufstellung neuer magnetischer Instrumente schaffen, die er schon vor seiner Abreise in Europa bestellt hatte. Bereits in Makerstoun war er zudem bemüht gewesen, das Magnetfeld in Abhängigkeit von der Höhe über der Erde zu untersuchen. Da ihm die Topographie seines neuen Wirkungskreises nun die Chance zu bieten schien, simultan an zwei in unterschiedlichen Höhen befindlichen Stationen seine Messungen durchzuführen, bestellte er in eigener Verantwortlichkeit hierzu noch weitere Instrumente. Die Lieferung der Geräte zog sich wegen der langen und gefahrvollen Transportwege mehr als vier Jahre in die Länge und kam nicht immer zu einem glücklichen Ende. In seinem Bericht an den Repräsentanten der britischen Krone in Travancore führte Broun ein Beispiel für seine Schwierigkeiten an: I expected three boxes of instruments from Europe; a theodolite magnetometer from Munich, a case of barometers from London, and a case of actinometers from the same place. Während die Barometer verschollen waren und die Actinometer, Geräte zur Messung der Intensität der Sonnenstrahlung, in beklagenswertem Zustand Trevandrum erreichten, überstand nur der Lamontsche Theodolith sowie die nach Feldkirchners Zusammenstellung mitgelieferten Magnete, Ringe und Spiegel die Reise unversehrt: I am glad to say that the instruments from Munich have reached me in a perfect state, and that the packing was above all praise.

Schon am 30. April 1852, also kurz nach seiner Ankunft in Trevandrum, erhielt Broun die Genehmigung zum Bau eines zweiten erdmagnetischen Observatoriums. Hierfür hatte er sich den den 1890 Meter hohen Gipfel des Agustier Mountain, etwa 25 km östlich von Trevandrum, ausgesucht. In der Sagenwelt der in diesem Gebiet lebenden Hindus war der Berg heilig und der Legende nach sollte jeder sterben, der versuchte, an diesem Ort zu arbeiten. Broun ließ sich jedoch weder von dieser Vorhersage noch von wilden Elefanten, Tigern und Panthern des tropischen Regenwaldes oder von widrigen Wetterverhältnissen abschrecken. Er konnte einige Zimmerleute gewinnen, die den geplanten Holzbau Anfang 1854 in Angriff nahmen und ein Jahr später vollendeten. Bereits am 1. Juli 1855 war Broun in der Lage, die ersten Messungen durchzuführen, deren Gleichzeitigkeit mit denen in Trevandrum durch mit einem Spiegel erzeugte Lichtblitze erreicht wurde. Fast schon poetisch klingt Brouns Beschreibung der Beobachtungsumstände auf Agustier Mountain, von dem aus man an günstigen Tagen die Berge von Ceylon ausmachen konnte: On a clear day, nothing is heard but the distant murmuring of waterfalls, the faint cry of the monkeys in the forest below, and the hum of the insects belonging to this elevated region. The peak, this little world of fifty yards diameter, has its own natural history. On the moss-clad jungle trees grow most beautiful orchids and balsams, that are not to be found lower, and some of which I believe to be unknown to botanists; fat looking black birds hop round the observatory, and in fine weather sing their cheerful song; grave and reverend rats, with clean white breasts, were the first tenants of the buildings, which they seem to prefer to their former quarters on the peak; there they looked down on me from the beams enquiringly as I made my first adjustments.

[Agustier Mountain]

Broun baute 1854/55 eine zweite erdmagnetische und meteorologische Station auf dem Agustier Mountain auf, einem knapp 1900 Meter hohen Berg in den Western Ghats, etwa 25 km östlich von Trevandrum. Erdmagnetische Instrumente für seine Observatorien erwarb er 1856/57 auch von Lamont in Bogenhausen.

[Report über die Aktivitäten Brouns]

In einem 1857 erschienen Report beschreibt Broun seine Aktivitäten in den beiden Observatorien.

Neben seinen stationären Messungen hatte Broun auch die Absicht, mit einem Lamontschen Reisetheodoliten Travancore zu vermessen. Er bemerkte hierzu in einem Bericht: Dr. Lamont of Munich has been good enough to forward me an instrument of the same kind, as that used by himself for magnetic surveys in Germany, and lately in Spain for the determination of the variation from place to place of the three magnetic elements; with this instrument, I propose to make a magnetical survey of Travancore, in connection with a geological examination of the country. I trust that I shall receive the support of the Sirkar [Britische Verwaltung in Indien] in these investigations. Offenbar hat er diese aber nicht bekommen, denn es erschienen zu derartigen Messungen keine Publikationen.

Verursacht durch die am Agustier Mountain vorkommenden extremen Temperaturschwankungen hatte sich Broun eine schwere, fiebrige Erkältung zugezogen, die letztlich zu einer permanten Taubheit führte. Er reiste deshalb 1860 nach Europa, um sich dort einer, allerdings vergeblichen, medizinischen Behandlung zu unterziehen. Nach seiner Rückkehr zwei Jahre später fand er das Observatorium auf dem Agustier Mountain nur noch als Ruine vor. Nichtsdestoweniger baute er es 1863 wieder auf, um nochmals eine Serie von Beobachtungen durchführen zu können. Die Ergebnisse zeigten jedoch, dass die magnetischen Variationen remain unchanged in character at a height of 6200 feet, dass also auf dieser Höhenskala noch keine Änderungen feststellbar sind. Im April 1865 verließ er dann Trevandrum endgültig, um schließlich 1873 in London sesshaft zu werden. Dort analysierte und publizierte er sein eigenes umfangreiches Datenmaterial und das, welches bis dahin an verschiedenen Stationen des British Empire gewonnen worden war. Dabei erkannte auch er, wie schon andere vor ihm, dass magnetische Störungen durch die Sonnenaktivität verursacht werden und eine periodische, 26-tägige Variation des Magnetfeldes mit der Sonnenrotation zusammenhängt.

Nach dem Weggang Brouns wurde der Mitarbeiterstab beträchtlich verringert und das magnetische Observatorium geschlossen. Lediglich meteorologische Messungen wurden weiterhin angestellt, bis Anfang des 20. Jahrhunderts die astronomische Abteilung des Observatoriums dann wieder eine Neubelebung erfuhr. Seit 1976 ist es nun der 1937 gegründeten University of Kerala unterstellt, die ihren Hauptsitz in der ehemaligen Hauptstadt der Radschas von Travancore hat.

Bildquellen:

Nr. 1–3, 24, 25: USM
Nr. 9–11: D. Morrison
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